DAS SCHWEIGEN NACH DER SCHULGLOCKE: WO IST CELINA F.?
PIRNA (SACHSEN) – Es ist der Albtraum jeder Eltern: Der Unterricht endet, die Mitschüler strömen aus dem Gebäude, doch ein Kind kommt niemals zu Hause an. Seit dem 23. Dezember ist die 14-jährige Celina F. aus dem Pirnaer Stadtteil Sonnenstein spoorlos verschwunden. Was zunächst wie die spontane Flucht eines Teenagers wirkte, hat sich für die Kriminalpolizei Sachsen längst zu einem hochsensiblen Vermisstenfall entwickelt. In einer Welt, in der Jugendliche ständig vernetzt sind, ist Celina plötzlich vom digitalen und physischen Radar verschwunden. Die Ermittler stehen vor der Frage: Wer wartete an jenem Nachmittag vor dem Schulgelände?

Die Polizeidirektion Dresden koordiniert die Suche, doch mit jedem verstrichenen Tag wächst die Sorge. Celina ist kein unbeschriebenes Blatt für die Behörden – bereits im September letzten Jahres wurde sie als vermisst gemeldet. Doch dieses Mal ist alles anders. Die Leichtigkeit, mit der sie damals zurückkehrte, fehlt.
Die Falle im Kinderzimmer: Wenn das Smartphone zum Feind wird
Die Ermittlungen konzentrieren sich derzeit auf das digitale Umfeld der 14-Jährigen. Es ist eine Realität, die viele Eltern unterschätzen: In geschlossenen Chatgruppen und über anonyme Messenger-Apps geraten Jugendliche immer öfter ins Visier von Personen, die sich als Gleichaltrige ausgeben. „Grooming“ nennen Experten diesen Prozess, bei dem Vertrauen erschlichen wird, um Kinder zu einem Treffen zu bewegen.
Bei Celina brach der Kontakt zu ihrem sozialen Umfeld exakt in dem Moment ab, als sie den Sonnenstein verließ. Ihr Smartphone wurde unmittelbar danach abgeschaltet oder zerstört. Dies deutet darauf hin, dass sie entweder genau instruiert wurde, unterzutauchen, oder dass eine dritte Person jegliche Ortung unterbinden wollte. Die Polizei prüft nun mühsam die Serverdaten der genutzten Apps, um herauszufinden, mit wem Celina in den Tagen vor dem 23. Dezember intensiv kommuniziert hat.
Pirna-Sonnenstein: Ein Viertel im Schatten der Ungewissheit
Der Sonnenstein ist ein eng vernetztes Wohngebiet. Dass ein Mädchen hier am helllichten Tag verschwindet, ohne dass Zeugen etwas bemerkt haben, ist ungewöhnlich. Die Polizei hat die Befragungen im Schulumfeld ausgeweitet. Gab es neue „Freunde“, die sie nach der Schule abholten? Wurde ein fremdes Fahrzeug mit auswärtigem Kennzeichen gesehen?
Die Befürchtung der Ermittler: Celina könnte sich in einer sogenannten „Schutzwohnung“ oder einer prekären Unterkunft befinden, die ihr von jemandem bereitgestellt wurde, den sie nur aus dem Internet kennt. In solchen Fällen werden Jugendliche oft mit falschen Versprechungen von Freiheit und Abenteuer gelockt, nur um dann in eine Abhängigkeit zu geraten, aus der sie allein nicht mehr herausfinden.
Ein Wettlauf gegen die Zeit und das Vergessen
Inzwischen sind mehrere Wochen vergangen. In der Kriminalistik gelten die ersten Tage als entscheidend, doch bei vermissten Jugendlichen ist die Gefahr groß, dass der Fall aus dem öffentlichen Fokus rückt. Die Polizei appelliert daher eindringlich an die Bevölkerung: Achten Sie auf Veränderungen in Ihrer Nachbarschaft. Wird in einer leerstehenden Wohnung plötzlich Licht gesehen? Gibt es Jugendliche, die sich versteckt halten?
Celina F. ist 14 Jahre alt – ein Alter, in dem man die Konsequenzen einer Flucht nicht absehen kann. Die sächsische Polizei lässt nichts unversucht, um das Mädchen zu finden, bevor die Spur endgültig kalt wird. Jeder Hinweis, und sei er noch so klein, könnte das fehlende Puzzleteil sein, um Celina aus einer potenziell lebensgefährlichen Lage zu befreien.
Haben Sie Celina F. nach dem 23. Dezember gesehen? Wissen Sie, wo sie sich aufhalten könnte? Hinweise nimmt das Polizeirevier Pirna unter (03501) 519 224 oder jede andere Polizeidienststelle entgegen. Helfen Sie mit, ein Kind nach Hause zu bringen.




