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Tragödie auf der Elbe: Hobbykapitän fährt ein letztes Mal hinaus – Ѕtunden später wird nur noch seine Leiche gefunden

Drage / Raum Hamburg – Es sollte ein ruhiger Sonntagabend auf der Elbe werden. Ein letzter Ausflug, frische Luft, das leise Brummen des Motors auf dem Wasser. Doch fur Karl-Heinz Mertens (71) endete diese Fahrt tödlich. Wenige Stunden nachdem der erfahrene Hobbykapitän mit seinem kleinen Motorboot „Moina“ abgelegt hatte, wurde sein lebloser Körper im Hafen von Drage entdeckt.

Was in den Stunden zwischen dem Ablegen und dem Fund geschah, gibt der Polizei bislang Rätsel auf.

Ein Abend wie so viele zuvor

Nach Angaben von Angehörigen war Karl-Heinz Mertens ein leidenschaftlicher Freizeitkapitän. Seit Jahren verbrachte er nahezu jedes freie Wochenende auf der Elbe. Die „Moina“, ein kleines, gepflegtes Motorboot, galt als sein ganzer Stolz. „Das Wasser war fur ihn Freiheit“, sagt ein Freund der Familie. „Er kannte den Fluss wie seine Westentasche.“

Am Sonntagabend, gegen 18.30 Uhr, verließ Mertens den kleinen Bootshafen des örtlichen Wassersportvereins. Das Wetter war ruhig, die Sicht gut, der Fluss unspektakulär. Nichts deutete auf das Drama hin, das folgen sollte.

Die Sorge der Ehefrau

Als Mertens bis spät in die Nacht nicht zuruckkehrte, begann seine Ehefrau Ingrid Mertens (68) unruhig zu werden. Mehrfach versuchte sie, ihren Mann telefonisch zu erreichen – ohne Erfolg. „Er meldete sich immer, wenn er später wurde“, soll sie später gegenuber Bekannten gesagt haben.

Am fruhen Montagmorgen fuhr sie schließlich selbst zum Hafen. Dort machte sie eine beunruhigende Entdeckung: Die „Moina“ lag schief am Steg, schlecht vertäut, als sei sie hastig oder unkontrolliert zuruckgekehrt. Von ihrem Mann fehlte jede Spur.

Gegen 7.15 Uhr alarmierte sie die Polizei.

Großangelegte Suche auf dem Wasser

Kurz darauf begann ein groß angelegter Sucheinsatz. Feuerwehr, Wasserschutzpolizei und freiwillige Helfer durchkämmten das Hafenbecken und angrenzende Bereiche der Elbe. Boote kreisten, Taucher wurden eingesetzt, während Einsatzkräfte vom Ufer aus suchten.

Nur kurze Zeit später dann die traurige Gewissheit: In der Nähe des Hafenbereichs wurde der leblose Körper von Karl-Heinz Mertens im Wasser entdeckt. Wiederbelebungsversuche waren nicht mehr möglich. Ein Notarzt konnte nur noch den Tod feststellen.

Viele Fragen bleiben offen

Bislang ist unklar, wie es zu dem Ungluck kam. Die Ermittler schließen mehrere Szenarien nicht aus. Möglich sei, dass Mertens während der Fahrt gesundheitliche Probleme bekam und ins Wasser sturzte. Ebenso denkbar ist ein Unfall beim Anlegen oder ein Sturz infolge von Unachtsamkeit.

Nach ersten Einschätzungen gab es keine Anzeichen fur Fremdverschulden oder eine Kollision mit einem anderen Boot. Dennoch bleiben entscheidende Fragen offen: Warum kehrte das Boot offenbar ohne seinen Kapitän in den Hafen zuruck? Wieso war es nicht ordnungsgemäß festgemacht? Und weshalb wurde kein Notruf abgesetzt?

Obduktion soll Klarheit bringen

Die Leiche des 71-Jährigen wurde zur rechtsmedizinischen Untersuchung gebracht. Eine Obduktion soll klären, ob eine akute Erkrankung, etwa ein Herzinfarkt oder Schlaganfall, zum Tod gefuhrt haben könnte oder ob das Ertrinken die alleinige Todesursache war.

Die Polizei betont, dass es sich derzeit um einen Todesfall mit ungeklärter Ursache handelt. Die Ermittlungen laufen in alle Richtungen, auch technische Aspekte des Bootes werden gepruft.

Betroffenheit im Hafenverein

Im Bootshafen von Drage ist die Stimmung gedruckt. Vereinsmitglieder legten Blumen an den Steg, an dem die „Moina“ noch immer liegt. „Karl-Heinz war immer hilfsbereit“, sagt ein Vereinskollege. „Er half Neulingen, reparierte Motoren, erzählte Geschichten vom Fluss. Dass er so gehen musste, ist kaum zu begreifen.“

Viele Mitglieder sprechen von einem Schock. Gerade weil Mertens als umsichtig und erfahren galt, trifft sein Tod die Gemeinschaft besonders hart.

Ein letzter Abschied vom Fluss

Fur Ingrid Mertens bricht nun eine Welt zusammen. Über Jahrzehnte teilte sie die Leidenschaft ihres Mannes fur das Wasser, wartete oft am Ufer auf seine Ruckkehr. Diesmal kam er nicht mehr nach Hause.

Was bleibt, ist ein stiller Hafen, ein verlassenes Boot – und die Erinnerung an einen Mann, der seine letzte Fahrt auf dem Fluss machte, den er liebte.

Die Elbe, sonst Symbol fur Ruhe und Weite, wurde an diesem Sonntagabend zum Schauplatz einer stillen Tragödie.

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