Nieuws vandaag

Auto und Leiche aus der Elbe geborgen: Dunkle Wahrheit hinter dem Tod einer Frau bei Pretzsch

Ein dramatischer Einsatz erschutterte am Mittwochnachmittag die Fähranlegestelle von Pretzsch an der Elbe. Einsatzkräfte bargen ein Auto aus dem Fluss, in dem sich eine tote Frau befand. Was zunächst als tragischer Unfall erschien, entwickelte sich im Laufe der Ermittlungen zu einem Fall mit schweren Vorwurfen, widerspruchlichen Aussagen und einem Tatverdacht, der die Region tief verunsichert.

Der Fund am Fähranleger

Gegen 15.45 Uhr meldeten Spaziergänger ein Fahrzeug im Wasser nahe der Fährstelle. Kurz darauf trafen Polizei, Feuerwehr und Wasserrettung ein. Taucher lokalisierten das Auto wenige Meter vom Ufer entfernt. Mit Hilfe eines Krans wurde der Wagen aus der Elbe gehoben. Im Inneren entdeckten die Einsatzkräfte eine leblose Frau auf dem Fahrersitz.

Die Anlegestelle wurde weiträumig abgesperrt, Schaulustige mussten Abstand halten. Die Leiche wurde zur weiteren Untersuchung in die Rechtsmedizin gebracht. Zunächst war die Identität unklar, da sich keine Ausweisdokumente im Fahrzeug befanden.

Identität des Opfers

Noch am Abend gelang es den Ermittlern, die Tote zu identifizieren. Es handelte sich um Hannelore Weiss (71) aus Söllichau. Die Rentnerin war zwei Tage zuvor von Angehörigen als vermisst gemeldet worden, nachdem sie nicht wie vereinbart zu einem Familienbesuch erschienen war.

Nachbarn beschrieben Weiss als ruhige, verlässliche Frau, die ihren Alltag selbstständig organisierte. Sie sei gesundheitlich stabil gewesen, geistig klar und habe keine Anzeichen von Verzweiflung gezeigt. Dass sie selbst in den Fluss gefahren sein könnte, erschien ihrem Umfeld unvorstellbar.

Auffällige Spuren

Die Obduktion brachte mehrere Befunde zutage, die Zweifel an einem Unfall aufkommen ließen. An den Unterarmen und an der Schulter der Frau wurden frische Hämatome festgestellt. Zudem war der Sicherheitsgurt nicht angelegt, obwohl Weiss als äußerst vorsichtig galt. Am Fahrzeug fanden sich Lackabriebe, die nicht zum Uferbereich passten.

Ein Ermittler erklärte, man prufe intensiv, ob es vor dem Sturz in den Fluss zu einer Auseinandersetzung gekommen sei. Auch die Position des Autos im Wasser spreche gegen ein einfaches Abrutschen.

Ein Mann gerät ins Visier

Im Zuge der Ermittlungen ruckte Rolf Becker (58) in den Fokus. Der Mann hatte in der Vergangenheit engen Kontakt zu Hannelore Weiss. Zwischen beiden soll es zuletzt immer wieder zu Streitigkeiten gekommen sein. Hintergrund war ein lang schwelender Konflikt um finanzielle Forderungen und ein Grundstuck, das Weiss geerbt hatte und auf das Becker Anspruche erhob.

Mehrere Zeugen bestätigten, dass die Auseinandersetzungen zunehmend heftiger wurden. Becker soll sich finanziell unter Druck gefuhlt haben und Weiss wiederholt bedrängt haben, bestimmte Dokumente herauszugeben.

Die letzte Begegnung

Nach Erkenntnissen der Ermittler trafen sich Weiss und Becker am Abend vor ihrem Tod an der Fährstelle in Pretzsch. Becker hatte sie gebeten, „ein letztes Gespräch“ zu fuhren. Was dort genau geschah, ist Gegenstand der Ermittlungen.

Die Polizei geht davon aus, dass das Gespräch eskalierte. In der Nähe des Ufers kam es offenbar zu einer körperlichen Auseinandersetzung. Spuren an der Fahrertur und Kratzer im Lack deuten darauf hin, dass das Fahrzeug nicht unbeabsichtigt ins Rollen geriet.

Verdacht auf Tötungsdelikt

Die Ermittler schließen inzwischen nicht mehr aus, dass Weiss gegen ihren Willen in den Wagen gedrängt oder gestoßen wurde. Das Auto rollte daraufhin in die Elbe und versank. Becker soll den Ort verlassen haben, ohne Hilfe zu leisten.

Mobilfunkdaten zeigen, dass sich sein Handy zur Tatzeit im Bereich der Fährstelle befand. Ein von ihm angegebenes Alibi erwies sich als widerspruchlich. Zudem fanden Taucher in Ufernähe einen abgerissenen Knopf, der einer Jacke zugeordnet werden konnte, die Becker regelmäßig trug.

Schweigen und Widerspruche

Becker bestreitet die Vorwurfe. In seiner Aussage spricht er von einem kurzen Treffen, das friedlich verlaufen sei. Er habe die Frau lebend verlassen. Doch mehrere Details seiner Darstellung widersprechen den gesicherten Spuren. Die Staatsanwaltschaft pruft derzeit eine Anklage wegen eines Tötungsdelikts.

Erschutterung in der Region

Der Fall hat in Pretzsch und Söllichau tiefe Betroffenheit ausgelöst. Viele kannten Hannelore Weiss als freundliche, hilfsbereite Frau. Blumen und Kerzen wurden an der Fährstelle niedergelegt. Die Elbe, sonst Symbol fur Ruhe und Beständigkeit, wurde zum Schauplatz eines Geschehens, das viele Fragen aufwirft.

Die Ermittlungen dauern an. Die Staatsanwaltschaft kundigte an, weitere Details bekannt zu geben, sobald die Beweislage abschließend bewertet ist. Fur die Angehörigen bleibt vor allem der Wunsch nach Klarheit – und nach Gerechtigkeit fur eine Frau, deren Leben an einem scheinbar gewöhnlichen Ort ein dramatisches Ende fand.

LEAVE A RESPONSE

Your email address will not be published. Required fields are marked *